Das öffentliche Aufladen von Elektrofahrzeugen ist durch eine hohe Intransparenz bei den Preisen und teilweise erhebliche Preisunterschiede von bis zu 190 % gekennzeichnet, je nach gewählter Zahlungsart oder Standort der Ladestation. Der Verbraucherverband CLCV, der zwei Jahre lang landesweit eine eingehende Untersuchung dieser Tarifdaten durchgeführt hat, fordert insbesondere mehr Preistransparenz und eine Vereinheitlichung der Kundeninformationen.

Je nach Zahlungsart kann der Unterschied bis zu 190 % betragen
Zwei Jahre lang hat die CLCV (Verbrauch, Wohnen und Lebensumfeld) die Tarife von mehr als 200.000 Ladestationen untersucht, die über ganz Frankreich verteilt sind. Aus dieser umfassenden Untersuchung geht hervor, dass die Kosten für das Aufladen an einer öffentlich zugänglichen Ladestation stark von der Art des Zugangs und der Zahlungsweise abhängen. So kann ein Autofahrer für denselben Ladevorgang mit dreiphasigem Wechselstrom bei direktem Zugang (sogenanntem „Ad-hoc“-Zugang) nur 0,36 € pro Kilowattstunde (kWh) zahlen, während bestimmte Mobilitätsanbieter bis zu 1,033 €/kWh berechnen. Ein Unterschied, der fast 190 % betragen kann.
Die Verbraucherschutzorganisation weist auf eine Art „Tariflotterie“ hin, bei der die Wahl der Zugangsart zum entscheidenden Faktor für die Höhe der Rechnung wird. Ein Beispiel aus dem Norden: Die durchschnittliche Preisdifferenz beträgt 45 %. Zwei Autofahrer, die zur gleichen Zeit an derselben Ladestation aufladen, erhalten sehr unterschiedliche Rechnungen, je nachdem, ob sie direkt mit Kreditkarte bezahlen oder die App bzw. den Chip eines bestimmten Anbieters nutzen.

Die Preise sind innerhalb von zwei Jahren um 30 bis 40 % gestiegen.
Zwischen 2024 und 2026 verzeichneten bestimmte Direktladungen Preissteigerungen von bis zu 30 %, während einige von Mobilitätsanbietern vermarktete Angebote um fast 40 % teurer wurden. Diese Erhöhungen stehen im Zusammenhang mit dem Ausbau der Infrastruktur: Netzanschluss, Straßenbauarbeiten, Wartung … Je mehr Akteure in der Wertschöpfungskette tätig sind, desto stärker schwanken die Preisstrategien.

Starke Ungleichheiten zwischen den Regionen
Eine weitere Erkenntnis dieser Studie ist, dass die Preisunterschiede auf lokaler Ebene sehr ausgeprägt zu sein scheinen. Innerhalb desselben Departements und bei ein und demselben Ladenetzwerk betragen die Preisunterschiede zwischen der günstigsten und der teuersten Ladestation mehr als 100 % und können sogar über 200 % erreichen. So wie in den Alpes-Maritimes, wo die Preise an 22-kW-Ladestationen, die von ein und demselben Betreiber betrieben werden, zwischen 0,328 € und 1,162 €/kWh schwanken, was einer Differenz von 255 % entspricht. Das gleiche Bild zeigt sich im Departement Hauts-de-Seine, wo die Tarife bei einem anderen Netz zwischen 0,270 € und 0,960 €/kWh liegen. Dies verstärkt die Ungleichheiten beim Zugang zu erschwinglichen Lademöglichkeiten.

Komplexe Abrechnung für die Nutzer
Angesichts dieser unvorhersehbaren Preisniveaus sind die Nutzer nicht nur eindeutig benachteiligt, sondern die Abrechnungsmodalitäten erweisen sich laut CLCV zudem als komplex. Je nach Netzbetreiber kann das Aufladen pro kWh, pro Minute oder in Form einer Pauschale pro Sitzung abgerechnet werden. Hinzu kommen noch Nebenkosten wie Anschluss-, Park- oder Roaminggebühren. All diese Faktoren verhindern einen Vergleich der Angebote und beeinträchtigen die Wahlmöglichkeiten der Verbraucher.
Im Gegensatz zum Kraftstoffmarkt, wo die Preise gesetzlich vorgeschrieben und standardisiert ausgehängt werden und so ein Vergleich zwischen den einzelnen Tankstellen möglich ist.

Auf dem Weg zu einer Vereinfachung der Tarifstrukturen?
Die CLCV fordert daher die Behörden und die Akteure dieser Branche auf, die Preistransparenz bei öffentlichen Ladestationen zu verbessern. Die Vorschriften zur Preisauszeichnung müssen einheitlicher gestaltet und besser durchgesetzt werden, insbesondere bei Ladestationen mit einer Leistung von weniger als 50 kW, die den Großteil der öffentlich zugänglichen Ladestationen ausmachen.
Die Zahlungsmöglichkeiten für eine Ladung müssen ebenfalls einfach und universell bleiben, wie beispielsweise eine Bankkarte, um die Abhängigkeit von speziellen Apps oder Ausweisen zu verringern. Der Verband fordert zudem eine Vereinfachung der Tarifstrukturen, wobei der Preis pro kWh als wichtigste Referenz deutlich angegeben werden soll. Notfalls sollte eine Beobachtungsstelle für die Preise öffentlicher Ladestationen eingerichtet werden, um jegliche Auswüchse zu vermeiden.
Angesichts der fortschreitenden Elektrifizierung des Fahrzeugbestands sind Transparenz und Verständlichkeit der Preise für das öffentliche Laden eine echte Herausforderung, um die Akzeptanz in der Bevölkerung und die Energiewende voranzutreiben.












