Während die Verkaufszahlen seines elektrischen Flaggschiffs zurückgehen, entwickelt Porsche den Taycan für das Modelljahr 2027 weiter. Die Sportlimousine erreicht nun eine Reichweite von bis zu 700 km, verfügt über ein virtuelles „Schaltsystem“ und einen neuen, noch intensiveren Sound. Es handelt sich dabei eher um Verbesserungen als um echte technologische Umwälzungen; vielmehr geht es darum, den Taycan neu zu positionieren als ein Auto, das den Erwartungen der treuen Porsche-Kunden gerecht wird: Emotionen zu wecken. Ein Unterfangen, das angesichts des verschärften Wettbewerbs unverzichtbar geworden ist.

Der Taycan bei der Wiedereinspeisung
Nach einem erfolgreichen Markteintritt zwischen 2020 und 2023 durchläuft der Porsche Taycan derzeit eine schwierige Phase. Die weltweiten Verkaufszahlen beliefen sich im Jahr 2025 auf lediglich 16.300 Exemplare, im Vergleich zu 84.000 Macan oder 50.000 911-Coupés. Dieser Rückgang lässt sich dadurch erklären, dass Käufer dieser Art von Luxuslimousinen weiterhin an Verbrennungs- oder Hybridmotoren festhalten, die mehr Fahrspaß bieten und auf langen Strecken einfacher zu handhaben sind. Um diese Schwächen auszugleichen, verspricht Porsche ein noch intensiveres Fahrerlebnis an Bord des Taycan der Modellreihe 2027. Die Weiterentwicklungen sind jedoch eher strategischer als technischer Natur.

Virtuelle „Gangwechsel“
Die wichtigste Neuerung (die beim Turbo GT, der höchsten Ausstattungsvariante, bereits serienmäßig ist) ist die Einführung einer „e-shift“-Option für die gesamte Taycan-Baureihe. Der Elektro-Sportwagen simuliert künstlich das Gefühl des Gangwechsels, das bei Modellen mit Verbrennungsmotor sehr geschätzt wird. Konkret simuliert das Fahrzeug bis zu acht Getriebestufen; der Fahrer kann die Schaltwippen am Sport-GT-Lenkrad betätigen und spürt dank einer elektronischen Steuerung leichte Ruckler: Ein Motorbremseffekt beim Herunterschalten und ein virtueller Drehzahlbegrenzer verstärken dieses Fahrerlebnis. Um die akustischen Eindrücke zu verstärken, ergänzt Porsche diesen „e-shift“ durch eine neue Interpretation des Electric Sport Sound. Der sowohl im Innenraum als auch außen wiedergegebene Klang variiert je nach Ladezustand und virtueller Motordrehzahl. Vor seinen Augen kann der Fahrer zudem einen Drehzahlmesser und eine Ganganzeige im digitalen Kombiinstrument ablesen.

Performance-Paket
Der Taycan, der nach wie vor als Maßstab unter den leistungsstarken Elektro-Limousinen gilt, wird dank der Auslieferung des speziell für Elektrofahrzeuge entwickelten Manthey-Kits seine dynamischen Fähigkeiten unter Beweis stellen können. Der deutsche Tuner, der bereits zahlreiche Varianten des 911 GT und GT RS ausstattet, hat ein spezielles Kit entwickelt, das aerodynamische Modifikationen, Fahrwerksoptimierungen und Motoranpassungen umfasst, um die Leistung auf der Rennstrecke zu verbessern. Der kürzlich auf der Nordschleife des Nürburgrings aufgestellte Rekord (6’55’’533, Rekord für Hochleistungs-Elektrofahrzeuge) belegt die Vorteile dieses Kits, das ab Werk eingebaut werden kann, allerdings nur bei der extremsten Version des Taycan: dem Turbo GT mit dem Weissach-Paket.

Die symbolische 700-km-Marke nach WLTP
Ein weiterer wichtiger Faktor, um potenzielle Kunden zu überzeugen: die Effizienz. Die symbolische Marke von 700 km WLTP-Reichweite wurde erreicht. Zwar hat Porsche weder an der „Performance Plus“-Batterie (mit der größten Kapazität) noch am Motor etwas verändert, doch wurden Reifen mit sehr geringem Rollwiderstand montiert, die bei gleicher Ladung eine um 20 km größere Reichweite ermöglichen. Diese 20-Zoll-„Sommerreifen“ sind für Langstrecken ausgelegt und für die heckgetriebenen Versionen der Taycan-Limousine und des Sport Turismo erhältlich.

Angesichts der Konkurrenz durch asiatische Modelle, die in Sachen Software sehr fortschrittlich sind, hat Porsche auch sein Multimediasystem modernisiert: Es ist schneller (fünffach höhere Rechenleistung), intuitiver und lässt sich wie ein Smartphone bedienen – mit vereinfachter Grafik und einem erweiterten digitalen Ökosystem. Der Sprachassistent verfügt über künstliche Intelligenz, um die Internetsuche zu vereinfachen und Sehenswürdigkeiten zu finden … Das Öffnen der Ladeklappe kann nun per Sprachbefehl gesteuert werden. Die kabellosen Ladestationen für Smartphones erreichen eine Leistung von 25 W.

Den Rückstand auf die chinesischen Konkurrenten aufholen
Dieses umfangreiche Update gleicht daher eher einer notwendigen Aufwertung als einer grundlegenden Überarbeitung des Elektromodells, dessen Fahrverhalten nach wie vor zu den effizientesten und leistungsstärksten auf dem Markt zählt. Doch man muss den Taycan retten und ihm ermöglichen, das typische Porsche-Fahrgefühl zu bieten. Während er bei seiner Markteinführung das Segment der Premium-Elektroautos dominierte, gibt es mittlerweile zahlreiche Konkurrenten, die technologisch fortschrittlicher und günstiger sind, wie beispielsweise der Xiaomi SU7, dessen Leistung beeindruckt – und das zu einem Preis, der deutlich unter dem des Taycan liegt, dessen Einstiegspreis bei 106.500 € liegt.













